Samstag, 5. Mai 2012

Schwäbischer Kartoffelsalat




Schwäbischer Kartoffelsalat muss Dinge können, die man sonst nicht darf: Er muss schmatzen, wenn man den gefüllten Löffel aus der Schüssel hebt und „seichnass“ sein.
Woher sich der Begriff „seichnass“ ableitet und wie ein echter Kartoffelsalat zubereitet wird, hat uns ein Schwabe beigebracht. Zum Begriff „seichnass“ soll hier nur gesagt werden, dass es im schwäbischen Dialekt den Begriff „Bettseicher“ gibt.

Die Freunde des Kartoffelsalates teilen sich in zwei Fraktionen: Mayonnaise-Anhänger und Essig-Öl-Liebhaber. Der schwäbische Kartoffelsalat gehört zur letzteren Gruppierung. Er hat eine eher breiige Konsistenz, diese ist aber durchaus beabsichtigt. Große Brocken werden als störend empfunden. Die Kartoffelscheiben sollten deshalb so dünn geschnitten werden, dass das Messer durch die Scheiben hindurch scheint. Der Salat muss den seidigen Glanz frisch gekochter Kartoffeln bewahren.


Zutaten und Zubereitung sind sehr einfach. Aber wie bei allen Gerichten dieser Art machen kleine Details den Unterschied. Abhängig von der verwendeten Kartoffelart wird das Dressing unterschiedlich stark aufgesaugt. Das erschwert genau Mengenangaben. Es ist ratsam die Konsistenz zu prüfen und sich auf sein Gefühl zu verlassen.

Rezept

(für 4 Personen)
1,5 kg Kartoffeln, Sorte:  vorwiegend festkochend
(diese Sorte saugt das Dressing besser auf)
2 Zwiebeln
1 Salatgurke
Muskatnuss, Pfeffer
300 ml Gemüsebrühe aus 1-2 Brühwürfel10 EL Kräuter- oder Apfelessig
8 EL Sonnenblumenöl

Für das Dressing Brühwürfel in heißem Wasser auflösen, Essig und Öl hinzugeben und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.

Die Kartoffeln nicht ganz weich kochen, sie sollten beim Einstechen mit dem Messer noch einen leichten Widerstand geben. Abgießen und im Kochtopf ohne Deckel abkühlen lassen, bis sie nicht mehr ganz heiß sind. Die warmen Kartoffeln pellen und in feine Scheiben schneiden.


Die Gurke in Scheiben hobeln und die Zwiebeln über die Kartoffeln reiben. Ein wenig Muskatnuss über den Salat reiben und pfeffern.Mit 2/3 des Dressings übergießen und gut durchmischen. Der Salat sollte ziemlich nass sein, falls nicht - mehr Dressing zugeben. Während dieser Zeit nehmen die Kartoffeln die Flüssigkeit auf. Der Kartoffelsalat schmeckt auch schon „handwarm“.
Bei Zimmertemperatur mindestens 3 Stunden durchziehen lassen, auf keinen Fall in den Kühlschrank stellen.
Sobald die Jahreszeit für Pfifferlinge gekommen ist, lässt sich eine sehr schmackhafte Variante dieses Rezeptes zubereiten: Statt der gehobelten Gurke die goldgelben in Butter gebratenen Pilze unterheben und lauwarm genießen.


Kommentare:

  1. Der Klassiker der Schwaben, tolles Rezept. Man möchte gleich starten die Kartoffeln zu kochen. Das Wasser läuft einem im Munde zusammen angesichts der hervorragenden Fotos. Stefan Blauß

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    1. Wenn man bei einem Meister in die Lehre geht, muss es gut werden. Danke, dass Du Dein Familienrezept und die langjährige Erfahrung an uns weitergegen hast!

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  2. Hallo Susanne,
    habe durch Zufall deinen Blog entdeckt, denn ich war auf der Suche nach einem "echten" Rezept von schwäbischen Kartoffelsalat.
    Sag mal, muss der Salat wirklich in der Flüssigkeit "schwimmen"? Soll man sie später abschütten oder saugen sich die Kartoffeln damit voll?
    Ich mag es nicht, wenn Essen (außer Eintopf) in Flüssigkeiten oder Soßen schwimmt, sieht unschön aus und schmeckt vermatscht. Ist meine Meinung.
    Sehr gerne probiere ich dein Rezept aus, die Fotos sprechen für sich! :)

    Sehr liebe Grüße von einer Namensvetterin,
    Susanne

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